Wohnmobile rutschen in Abgasskandal - Fiat Ducato hält Grenzwerte nicht ein

14.12.2020

Der Abgasskandal hat Fiat und besonders auch Wohnmobile auf Basis des Fiat Ducato erreicht. Abgasmessungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) belegen, dass die zulässigen Grenzwerte beim Stickoxid-Ausstoß nicht eingehalten werden.

Die DUH hat aktuell die Stickoxid-Emissionen bei zwei Wohnmobilen auf Basis des Fiat Ducato durchgeführt. Dabei handelte es sich um eine Fiat Ducato 150 Multijet, Pilote G700G, mit Erstzulassung 2016 und einen Fiat Ducato 150 Multijet, Dethleffs T7150, Erstzulassung 2015. Beide haben die Abgasnorm Euro 5, sind mit einem Partikelfilter ausgestattet und arbeiten mit der Abgasrückführung (AGR), um den Ausstoß von Stickoxiden zu reduzieren, wie die DUH mitteilt.

Der Grenzwert für Stickoxid-Emissionen für leichte Nutzfahrzeuge der Abgasnorm Euro5 beträgt 280 mg NOx/km und wurde nach Angaben der DUH bei den Messungen deutlich überschritten. Eine Fehlermeldung wird in den Fahrzeugen nicht angezeigt.

Das Dethleffs Wohnmobil auf Basis des Fiat Ducato überschritt den Grenzwert für den Stickoxid-Ausstoß um fast das Zehnfache. Im Durchschnitt der durchgeführten Messungen, die bei Außentemperaturen zwischen 6 und 8 Grad durchgeführt wurden, lagen die Stickoxid-Emissionen bei 2.779 mg/km. Das Wohnmobil Pilote kam bei den Messungen auf einen Durchschnittswert von 1.926 mg/km. Hier wurden die Messungen bei Außentemperaturen zwischen 10 und 15 Grad durchgeführt. Die Typengenehmigung für das Modell Pilote wurde von der italienischen Behörde erteilt, für die Genehmigung des Dethleffs Wohnmobil war das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zuständig.

Die DUH kommt zu dem Schluss, dass die hohen Abgaswerte nur durch Abschalteinrichtungen zu erklären sind. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat bereits im Sommer Razzien bei Fiat Chrysler und dem Schwesterkonzern Iveco am Standorten in Deutschland, Italien und der Schweiz durchgeführt. Es geht um den Verdacht, dass in Diesel-Fahrzeugen von Fiat, Alfa Romeo, Jeep und Iveco unzulässige Abschalteinrichtungen zum Einsatz kommen. Die Ermittler hatten Zeugen aufgerufen, sich zu melden. Seitdem sind rund 300 Anzeigen eingegangen, ein großer Teil von Wohnmobil-Käufern, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt mitteilte.

Der Verdacht illegaler Abschalteinrichtungen besteht nicht nur bei Wohnmobilen. Nach Angaben der Polizei Frankfurt können Fahrzeuge der Baujahre 2014 bis 2019 mit folgende Motoren betroffen sein:

  • 1,3 Liter Multijet
  • 1,3 Liter 16V Multijet
  • 1,6 Liter Multijet
  • 1,6 Liter
  • 2,0 Liter Multijet
  • 2,0 Liter
  • 2,2 Liter Multijet II
  • 2,3 Liter
  • 2,3 Liter Multijet
  • 3,0 Liter

„Fahrzeuge mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung sind mangelhaft und geschädigte Käufer haben Anspruch auf Ersatz. Das hat der BGH festgestellt“, sagt Rechtsanwalt Marcel Seifert, BRÜLLMANN Rechtsanwälte. Fiat- und Wohnmobil-Käufer haben verschiedene rechtliche Möglichkeiten. Haben sie das Fahrzeug als Neuwagen gekauft und ist die zweijährige Gewährleistungspflicht noch nicht abgelaufen, können Ansprüche gegen den Händler geltend gemacht werden.

Zudem können Forderungen auch direkt gegen den Hersteller des Fahrzeugs bzw. des Motors geltend gemacht werden.

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

 

 

 

 

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Aktuelles
26.11.2021

Audi hat im Abgasskandal vor dem Bundesgerichtshof eine Niederlage kassiert. Der BGH entschied mit Urteil vom 25. November 2021, dass sich nicht nur VW, sondern auch Audi aufgrund der Abgasmanipulationen beim Dieselmotor EA 189 schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: VII ZR 238/20, 243/20, 257/20 und 38/21).
25.11.2021

Das OLG Stuttgart hat mit Urteil vom 2. November 2021 entschieden, dass der Widerruf eines Darlehens zur Autofinanzierung auch Jahre nach Vertragsschluss noch wirksam erfolgt ist (Az.: 6 U 32/19).
24.11.2021

Im Abgasskandal um Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato hat das Landgericht Frankenthal Fiat Chrysler Automobiles, inzwischen zu Stellantis gehörend, mit Urteil vom 27. Oktober 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 5 O 40/21).
23.11.2021

Die Daimler AG muss im Abgasskandal Schadenersatz bei einem Mercedes GLC 220 d 4Matic leisten. Das Landgericht Stuttgart entschied mit Urteil vom 3. November 2021, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz kommt und die Daimler AG sich dadurch schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: 19 O 76/21).
22.11.2021

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Daimler muss im Abgasskandal gleich für drei Mercedes Sprinter Schadenersatz leisten. Das hat das Landgericht Freiburg mit Urteil vom 18. Oktober 2021 entschieden (Az.: 6 O 149/19). Zwei der Mercedes Sprinter waren mit dem Dieselmotor des Typs OM 651 und der Abgasnorm Euro 5 ausgerüstet, in dem dritten ist auch der Motor OM 651 verbaut, allerdings mit der Abgasnorm Euro 6.