Wohnmobil Abgasskandal: LG Heilbronn verurteilt Fiat

01.10.2021

Abgasmessungen der Deutschen Umwelthilfe und des Kraftfahrt-Bundesamts haben bestätigt, dass der Fiat Ducato die Grenzwerte für den Stickoxid-Ausstoß vielfach nicht einhält und zum Teil deutlich überschreitet. Damit hat der Abgasskandal auch Wohnmobile erreicht, denn viele Modelle basieren auf einem Fiat Ducato. Mittlerweile haben mehrere Gerichte Fiat Chrysler Automobiles, inzwischen Stellantis, zu Schadenersatz bei Wohnmobilen wegen der Verwendung unzulässiger Abschalteinrichtungen verurteilt. Das Landgericht Heilbronn hat sich angeschlossen und Fiat bzw. Stellantis mit Versäumnisurteil vom 21. September 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 11 O 13/21).

Der Kläger in dem Verfahren vor dem LG Heilbronn hatte 2013 ein Wohnmobil von Carthago des Typs chic e-line i49 gekauft. Basis für das Fahrzeug bildet ein Fiat Ducato mit 2,3-Liter-Motor und der Abgasnorm Euro 5. Er machte Schadenersatzansprüche wegen der Verwendung einer unzulässigen Abschalteinrichtung. Er argumentierte, dass die Abgasnachbehandlung ca. 22 Minuten nach Motorstart abgeschaltet wird. Damit sei sie gerade lange genug für den rund 20-minütigen Abgastest im Prüfmodus aktiv, so dass die Grenzwerte für den Stickoxid-Ausstoß auf dem Prüfstand eingehalten werden. Nachdem die Abgasnachbehandlung deaktiviert ist, steigen die Stickoxid-Emissionen jedoch an und überschreiten den gesetzlich zulässigen Grenzwert deutlich.

Fiat bzw. Stellantis äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. So folgte das Gericht den Ausführungen des Klägers und sprach ihm mit Versäumnisurteil Schadenersatz zu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Stellantis kann noch Einspruch einlegen.

Der Verdacht, dass auch Fiat unzulässige Abschalteinrichtungen verwendet hat, ist nicht neu und erhärtete sich, als die Staatsanwalt Frankfurt im Sommer 2020 Geschäftsräume von Fiat Chrysler Automobiles in Deutschland, Italien und der Schweiz durchsuchen ließ. Bei der Razzia ging es um den Verdacht unzulässiger Abschalteinrichtungen bei Dieselfahrzeugen der Marken Fiat, Alfa Romeo, Jeep und Iveco.

Da viele Wohnmobile auf einen Fiat Ducato oder Iveco Daily basieren, sind auch sie von den Abgasmanipulationen betroffen. Abgasmessungen der DUH und auch des KBA haben belegt, dass der Fiat Ducato die Grenzwerte für den Stickoxid-Ausstoß zum Teil deutlich übersteigt. „Auch wenn es keinen Rückruf durch das KBA gibt, bestehen gute Chancen, Schadenersatz durchzusetzen, wie inzwischen eine Reihe von Urteilen zeigt“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

Neben Schadenersatzansprüchen gegen den Händler kommen innerhalb der Gewährleistungsfrist auch Ansprüche gegen den Händler in Betracht. Bei Neufahrzeugen beträgt die Gewährleistungsfrist zwei Jahre, bei Gebrauchten ein Jahr.

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

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Aktuelles
26.11.2021

Audi hat im Abgasskandal vor dem Bundesgerichtshof eine Niederlage kassiert. Der BGH entschied mit Urteil vom 25. November 2021, dass sich nicht nur VW, sondern auch Audi aufgrund der Abgasmanipulationen beim Dieselmotor EA 189 schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: VII ZR 238/20, 243/20, 257/20 und 38/21).
25.11.2021

Das OLG Stuttgart hat mit Urteil vom 2. November 2021 entschieden, dass der Widerruf eines Darlehens zur Autofinanzierung auch Jahre nach Vertragsschluss noch wirksam erfolgt ist (Az.: 6 U 32/19).
24.11.2021

Im Abgasskandal um Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato hat das Landgericht Frankenthal Fiat Chrysler Automobiles, inzwischen zu Stellantis gehörend, mit Urteil vom 27. Oktober 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 5 O 40/21).
23.11.2021

Die Daimler AG muss im Abgasskandal Schadenersatz bei einem Mercedes GLC 220 d 4Matic leisten. Das Landgericht Stuttgart entschied mit Urteil vom 3. November 2021, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz kommt und die Daimler AG sich dadurch schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: 19 O 76/21).
22.11.2021

Das OLG München hat die Audi AG im Abgasskandal mit Urteil vom 14. Oktober 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 24 U 1307/21). Audi habe in einem SQ5 eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut und sich dadurch schadenersatzpflichtig gemacht.
19.11.2021

Daimler muss im Abgasskandal gleich für drei Mercedes Sprinter Schadenersatz leisten. Das hat das Landgericht Freiburg mit Urteil vom 18. Oktober 2021 entschieden (Az.: 6 O 149/19). Zwei der Mercedes Sprinter waren mit dem Dieselmotor des Typs OM 651 und der Abgasnorm Euro 5 ausgerüstet, in dem dritten ist auch der Motor OM 651 verbaut, allerdings mit der Abgasnorm Euro 6.