Schadenersatz für Skoda Octavia mit Motor EA 288 im Abgasskandal

24.09.2020

VW ist im Abgasskandal erneut bei einem Fahrzeug mit dem Dieselmotor EA 288 zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Darmstadt entschied mit Urteil vom 31. August 2020, dass der Kläger gegen Rückgabe seines Skoda Octavia die Erstattung des Kaufpreises abzüglich einer Nutzungsentschädigung verlangen kann (Az.: 13 O 88/20).

Der Dieselmotor des Typs EA 288 ist der Nachfolgemotor des durch die Abgasmanipulationen bekannt gewordenen Dieselmotors EA 189. Er wird in Fahrzeugen bis 2 Liter Hubraum der Marken VW, Audi, Seat und Skoda verwendet.

Der Kläger in dem Fall vor dem LG Darmstadt hatte 2017 einen Skoda Octavia 2.0 TDI mit dem Motor EA 288 und der Abgasnorm Euro 6 gekauft. Den Motor bezieht Skoda von der Konzernmutter VW.

Der Kläger vertritt die Ansicht, dass in dem Motor eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet wird, die erkennt, ob sich das Fahrzeug im Prüfmodus befindet. Nur dann würden die Grenzwerte für den Stickoxid-Ausstoß eingehalten, während sie im realen Straßenverkehr überschritten werden. Zudem werde bei der Abgasrückführung ein Thermofenster verwendet. Auch dabei handele es sich um eine unzulässige Abschalteinrichtung.

Das LG Darmstadt gab der Klage statt. Der Kläger sei vorsätzlich sittenwidrig geschädigt worden und habe daher Anspruch auf Schadensersatz.

Die verbaute Steuerungs-Software führe dazu, dass der Grenzwert für den Stickoxid-Ausstoß nur im Prüfverfahren zur Typengenehmigung eingehalten werde. Der im Prüfverfahren verwendete Modus sei so programmiert, dass die Aktivierung der höheren Abgasrückführung exakt an die Parameter der NEFZ-Prüfung ausgerichtet ist, damit dann der Grenzwert für den Stickoxid-Ausstoß eingehalten wird, so das LG Darmstadt.

Der Vortrag des Klägers über die Programmierung sei unstrittig. Der Kläger habe dazu auch unter Vorlage von Auszügen aus dem mit „Entscheidungsvorlage: Applikationsrichtlinien & Freigabevorgaben EA 288“ überschriebenen VW-Dokument qualifiziert vorgetragen. Aus diesem Dokument ginge u.a. die Erkennung des Prüfstandlaufs durch die Software hervor, um die Abgasnachbehandlung nur „streckengesteuert zu platzieren“. VW habe dies nicht widerlegen können. Ob mit dem Thermofenster noch eine weitere unzulässige Abschalteinrichtung verwendet wird, sei daher unerheblich, führte das LG Darmstadt weiter aus.

Der Kläger sei schon mit Abschluss des Kaufvertrags geschädigt worden. Bei Kenntnis des unzulässigen Abschalteinrichtung hätte er das Fahrzeug nicht gekauft. Daher habe er gegen Rückgabe des Autos Anspruch auf Erstattung des Kaufpreises abzüglich einer Nutzungsentschädigung, entschied das Gericht.

Das LG Darmstadt ist nicht das erste Gericht, dass VW bei einem Fahrzeug mit dem Motor EA 288 zu Schadensersatz verurteilt. Die Landgerichte Regensburg und Offenburg haben bei einem VW Golf VII bzw. einem Audi A3 ähnlich entschieden (Az.: 73 O 1181/19 und 3 O 38/18).

„VW kann den Abgasskandal nicht zu den Akten legen. Er setzt sich auch bei Fahrzeugen mit dem Nachfolgemotor EA 288 fort“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte. Er hat bereits Schadenersatzansprüche beim VW „Bulli“ T6 mit dem Motor EA 288 an den Landgerichten Heilbronn und München durchgesetzt (Az.: Bi 6 O 257/19 bzw. 3 O 13321/19). Mehr dazu unter www.oeltod-anwalt.de

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

Mehr Informationen: https://bruellmann.de/abgasskandal

 

Ansprechpartner

Sekretariat: Frau Kalaitsidou
Tel:  0711 / 520 888 - 29
Fax: 0711 / 520 888 - 23  
E-Mail: f.gisevius@bruellmann.de

Kontaktieren Sie uns

Ich stimme zu, dass meine Angaben aus dem Kontaktformular zur Beantwortung meiner Anfrage erhoben und verarbeitet werden. Die Daten werden nach abgeschlossener Bearbeitung Ihrer Anfrage gelöscht. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an datenschutz@bruellmann.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. *
Aktuelles
29.11.2021

Das Landgericht Freiburg hat mit Urteil vom 29. Oktober 2021 entschieden, dass die Daimler AG im Abgasskandal Schadenersatz bei einem Mercedes GLS 350 d leisten muss (Az.: 2 O 338/20). Daimler habe in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet und sei wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung zu Schadenersatz verpflichtet.
26.11.2021

Audi hat im Abgasskandal vor dem Bundesgerichtshof eine Niederlage kassiert. Der BGH entschied mit Urteil vom 25. November 2021, dass sich nicht nur VW, sondern auch Audi aufgrund der Abgasmanipulationen beim Dieselmotor EA 189 schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: VII ZR 238/20, 243/20, 257/20 und 38/21).
25.11.2021

Das OLG Stuttgart hat mit Urteil vom 2. November 2021 entschieden, dass der Widerruf eines Darlehens zur Autofinanzierung auch Jahre nach Vertragsschluss noch wirksam erfolgt ist (Az.: 6 U 32/19).
24.11.2021

Im Abgasskandal um Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato hat das Landgericht Frankenthal Fiat Chrysler Automobiles, inzwischen zu Stellantis gehörend, mit Urteil vom 27. Oktober 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 5 O 40/21).
23.11.2021

Die Daimler AG muss im Abgasskandal Schadenersatz bei einem Mercedes GLC 220 d 4Matic leisten. Das Landgericht Stuttgart entschied mit Urteil vom 3. November 2021, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz kommt und die Daimler AG sich dadurch schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: 19 O 76/21).
22.11.2021

Das OLG München hat die Audi AG im Abgasskandal mit Urteil vom 14. Oktober 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 24 U 1307/21). Audi habe in einem SQ5 eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut und sich dadurch schadenersatzpflichtig gemacht.