Schadenersatz bei Wohnmobilen im Abgasskandal

29.03.2021

Der Abgasskandal hat auch vielen Campern die Freude an ihrem Wohnmobil vermiest. Sie haben allerdings die Möglichkeit, Schadenersatz durchzusetzen. Das erste Urteil liegt inzwischen vor. Das Landgericht Koblenz hat mit Versäumnisurteil vom 1. März 2021 entschieden, dass Fiat dem Käufer eines Wohnmobils Schadenersatz wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung leisten muss (Az.: 12 O 316/29).

In dem Fall ging es um ein Wohnmobil Roller Team Zefiro 266TL auf Basis eines Fiat Ducato mit dem Fiat-Dieselmotor Typs Multijet mit 2,3 Litern Hubraum und der Abgasnorm Euro 6. Der Kläger machte Schadenersatzansprüche wegen der Verwendung einer unzulässigen Abschalteinrichtung geltend und hatte Erfolg.

Gegen Rückgabe des Wohnmobils könne er die Erstattung des Kaufpreises abzüglich einer Nutzungsentschädigung verlangen, entschied das LG Koblenz. Interessantes Detail dabei: Anders als sonst im Abgasskandal seien für die Berechnung der Nutzungsentschädigung bei einem Wohnmobil nicht die gefahrenen Kilometer, sondern die Nutzungsdauer des Fahrzeugs entscheidend, bei einen Wohnmobil könnten 25 Jahre zu Grunde gelegt werden, so das Gericht. „Diese Berechnung kann für die geschädigten Wohnmobil-Besitzer ein großer Vorteil sein. Gerade wenn sie mit ihrem Wohnmobil viel unterwegs sind, da jeder gefahrene Kilometer den abzurechnenden Nutzungsersatz erhöht. Das ist bei einer Berechnung der Nutzungsentschädigung nach Nutzungsdauer natürlich anders“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

Dieser Aspekt ist natürlich nicht nur bei Wohnmobilen auf Basis des Fiat Ducato interessant, sondern auch für Bulli-Fahrer, die ihren VW T5 oder T6 zum Wohnmobil ausgebaut haben, beim Mercedes-Camper Marco Polo oder dem Ford Nugget.

Klagen können sich sowohl gegen den Hersteller als auch gegen den Händler richten.

Ansprüche aus Gewährleistung gegen den Händler: Durch die Verwendung einer unzulässigen Abschalteinrichtung wird das Wohnmobil mangelhaft. Der Händler ist dann verpflichtet, den Mangel zu beseitigen. Sofern dies nicht möglich ist, muss er das mangelhafte Fahrzeug zurücknehmen und den Kaufpreis erstatten oder ein neues mangelfreies Fahrzeug liefern. Ansprüche gegen den Händler müssen innerhalb der Gewährleistungsfrist von zwei Jahren bei Neufahrzeugen und einem Jahr bei Gebrauchtfahrzeugen geltend gemacht werden.

Ansprüche gegen den Hersteller: Bei vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung durch die Verwendung einer unzulässigen Abschalteinrichtung können Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden. Bei der Rückabwicklung des Kaufvertrags muss der Hersteller das Fahrzeug zurücknehmen und den Kaufpreis abzüglich einer Nutzungsentschädigung erstatten. Möglich ist auch eine Minderung. Dann wird das Fahrzeug nicht zurückgegeben, sondern die Wertminderung des Fahrzeugs aufgrund der Abgasmanipulationen geltend gemacht.

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

 

Mehr Informationen: https://bruellmann.de/wohnmobile-abgasskandal

 

 

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Aktuelles
26.11.2021

Audi hat im Abgasskandal vor dem Bundesgerichtshof eine Niederlage kassiert. Der BGH entschied mit Urteil vom 25. November 2021, dass sich nicht nur VW, sondern auch Audi aufgrund der Abgasmanipulationen beim Dieselmotor EA 189 schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: VII ZR 238/20, 243/20, 257/20 und 38/21).
25.11.2021

Das OLG Stuttgart hat mit Urteil vom 2. November 2021 entschieden, dass der Widerruf eines Darlehens zur Autofinanzierung auch Jahre nach Vertragsschluss noch wirksam erfolgt ist (Az.: 6 U 32/19).
24.11.2021

Im Abgasskandal um Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato hat das Landgericht Frankenthal Fiat Chrysler Automobiles, inzwischen zu Stellantis gehörend, mit Urteil vom 27. Oktober 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 5 O 40/21).
23.11.2021

Die Daimler AG muss im Abgasskandal Schadenersatz bei einem Mercedes GLC 220 d 4Matic leisten. Das Landgericht Stuttgart entschied mit Urteil vom 3. November 2021, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz kommt und die Daimler AG sich dadurch schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: 19 O 76/21).
22.11.2021

Das OLG München hat die Audi AG im Abgasskandal mit Urteil vom 14. Oktober 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 24 U 1307/21). Audi habe in einem SQ5 eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut und sich dadurch schadenersatzpflichtig gemacht.
19.11.2021

Daimler muss im Abgasskandal gleich für drei Mercedes Sprinter Schadenersatz leisten. Das hat das Landgericht Freiburg mit Urteil vom 18. Oktober 2021 entschieden (Az.: 6 O 149/19). Zwei der Mercedes Sprinter waren mit dem Dieselmotor des Typs OM 651 und der Abgasnorm Euro 5 ausgerüstet, in dem dritten ist auch der Motor OM 651 verbaut, allerdings mit der Abgasnorm Euro 6.