Porsche Cayenne im Abgasskandal - LG Paderborn spricht Schadenersatz zu

26.05.2021

Schadenersatz für einen Porsche Cayenne im Abgasskandal: Das Landgericht Paderborn hat mit Urteil vom 6. Mai 2021 entschieden, dass der Käufer eines Porsche Cayenne durch die Verwendung einer unzulässigen Abschalteinrichtung vorsätzlich sittenwidrig geschädigt wurde und Anspruch auf Schadenersatz hat. Da die Konzernschwester Audi den Motor mit der unzulässigen Abschalteinrichtung hergestellt hat, habe sie sich schadenersatzpflichtig gemacht, so das LG Paderborn (Az.: 3 O 5/21).

Der Kläger hatte den Porsche Cayenne S Diesel mit einem 4,2 Liter V8 TDI-Motor mit der Abgasnorm Euro 5 im Juni 2016 gekauft. Der Dieselmotor wurde von der Audi AG entwickelt und hergestellt.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) stellte eine unzulässige Abschalteinrichtung bei dem Modell fest und ordnete 2018 den Rückruf an, damit diese Funktion entfernt wird. Ein entsprechendes Software-Update gab die Behörde Anfang 2020 frei. Der Kläger wurde aufgefordert seinen Porsche Cayenne in die Werkstatt zu bringen, damit das Update aufgespielt wird. Ohne das Update drohte dem Fahrzeug die Stilllegung.

Der Kläger machte schließlich erfolgreich Schadenersatzansprüche wegen der Verwendung der unzulässigen Abschalteinrichtung geltend.

Das Fahrzeug sei mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung ausgestattet. Dies werde schon durch den Rückruf des KBA deutlich. Der Kläger habe hinreichend substantiiert vorgetragen, dass die Motorsteuerung erkenne, ob sich das Fahrzeug auf dem Prüfstand befindet. Dann werde das Abgasverhalten geändert, so dass die gesetzlichen Grenzwerte für den Schadstoffausstoß eingehalten werden. Im realen Straßenverkehr finde die Abgasreinigung in einem anderen Modus statt, so dass der Stickoxid-Ausstoß steige. Audi habe diesen Vortrag nicht widerlegen könne, so das Gericht.

Dem Fahrzeug habe aufgrund der unzulässigen Abschalteinrichtung die Stilllegung gedroht. Der Kläger sei damit gemäß § 826 BGB vorsätzlich sittenwidrig geschädigt worden. Die schädigende Handlung liege in dem Inverkehrbringen des gesetzeswidrigen Motors. Es könne davon ausgegangen werden, dass der Kläger das Fahrzeug bei Kenntnis der unzulässigen Abschalteinrichtung nicht gekauft hätte. Der Kaufvertrag sei daher rückabzuwickeln, entschied das LG Paderborn.

Gegen Rückgabe des Fahrzeugs kann der Kläger die Erstattung des Kaufpreises abzüglich einer Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer verlangen.

„Die großvolumigen Dieselmotoren mit 3 Litern Hubraum und mehr werden innerhalb des VW-Konzerns von Audi hergestellt. Sie kommen nicht nur in einer Reihe von Audi-Modellen, sondern auch im Porsche Cayenne, Porsche Macan oder VW Touareg zum Einsatz. Auch bei diesen Fahrzeugen bestehen gute Chancen, Schadenersatz durchzusetzen“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

Mehr Informationen: https://bruellmann.de/abgasskandal

Ansprechpartner

Sekretariat: Frau Kalaitsidou
Tel:  0711 / 520 888 - 29
Fax: 0711 / 520 888 - 23  
E-Mail: f.gisevius@bruellmann.de

Kontaktieren Sie uns

Ich stimme zu, dass meine Angaben aus dem Kontaktformular zur Beantwortung meiner Anfrage erhoben und verarbeitet werden. Die Daten werden nach abgeschlossener Bearbeitung Ihrer Anfrage gelöscht. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an datenschutz@bruellmann.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. *
Aktuelles
08.12.2021

Die Audi AG ist im Abgasskandal zu Schadenersatz bei einem Audi A5 3.0 TDI verurteilt worden. Das Landgericht Ulm entschied mit Urteil vom 12. November 2021, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz kommt und Audi daher Schadenersatz wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung gemäß § 826 BGB leisten muss.
07.12.2021

Das OLG Naumburg hat VW im Abgasskandal ein weiteres Mal bei einem Fahrzeug mit dem Dieselmotor EA 288, einem VW Beetle 2.0 TDI, mit Urteil vom 12. November 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 8 U 46/21). Die Revision zum BGH hat das OLG Naumburg nicht zugelassen.
06.12.2021

Fiat Chrysler Automobiles bzw. Stellantis ist im Abgasskandal um Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato ein weiteres Mal zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Baden-Baden hat mit Versäumnisurteil vom 8. November 2021 entschieden, dass der Kläger Anspruch auf Schadenersatz hat (Az.: 2 O 107/21).
03.12.2021

Im Mercedes-Abgasskandal bestehen gute Chancen, Schadenersatz durchzusetzen. Wer im Laufe des Jahres 2018 den Rückruf erhalten hat, sollte aber jetzt handeln. Ende 2021 droht die Verjährung der Schadenersatzansprüche.
02.12.2021

Unter dem Rückruf-Code 37L8 gibt es einen weiteren Rückruf für Modelle des VW T5 und T6 mit der Abgasnorm Euro 5. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt am 11. November 2021 veröffentlichte, müssen Fahrzeuge des VW T5 und T6 der Baujahre 2010 bis 2012 in die Werkstatt beordert werden.
01.12.2021

Im Abgasskandal muss die Audi AG als Herstellerin des Motors Schadenersatz bei einem Porsche Macan S Diesel leisten. Das hat das Landgericht Memmingen mit Urteil vom 8. Oktober 2021 entschieden.