POC-Fonds – Gesellschafterversammlungen offenbaren weiterhin nur schlechte Nachrichten für POC-Anleger

08.09.2015

Vom 01.-03. September 2015 fanden in Berlin die sechs außerordentlichen Gesellschafterversammlungen der POC–Fonds statt, die an der kanadischen Objektgesellschaft COGI Ltd. Partnership beteiligt sind (POC Eins GmbH & Co. KG, POC Zwei GmbH & Co. KG, POC Growth GmbH & Co. KG, POC Growth 2 GmbH & Co. KG, POC Growth 3 GmbH & Co. KG und POC Natural Gas 1 GmbH & Co. KG). Im Auftrag unserer Mandanten haben wir an den Gesellschafterversammlungen teilgenommen.


Aktuelle Situation

Die Geschäftsführerin Monika Galba erklärte den zahlreich angereisten Gesellschaftern, dass die wirtschaftliche Situation schlimmer sei, als bislang dargestellt: die kanadische Objektgesellschaft COGI LP hat ein Gläubigerschutzverfahren eingeleitet (sog. CCAA-Verfahren). Man habe nun Zeit bis zum 25.09.2015 dem Gericht in Kanada mitzuteilen, ob überhaupt die Möglichkeit besteht das von der Bank gekündigte Darlehen mit dem Geld der deutschen Anleger zurückzuzahlen. Im Rahmen der Gesellschafterversammlungen sollten die Gesellschafter nun darüber entscheiden, ob mit diesem Geld ein Darlehen an die kanadische COGI LP gewährt werden könne. Nur so sei eine Insolvenz der COGI noch abzuwenden. Im Ergebnis würde eine Insolvenz der COGI für die deutschen Anleger letztlich wohl die Realisierung des Totalverlustrisikos bedeuten.  Die  Fondsgesellschaften werden die Ausschüttungen aber in jedem Fall von den Anlegern zurückholen, teilte Frau Galba mit.

 
Seitens der Geschäftsführung soll allein der Verfall des Öl- und Gaspreises für die Misere verantwortlich sein. Der Preisverfall sei, so die Fondsgeschäftsführung, nicht vorhersehbar gewesen. Gleichwohl der Preisverfall die aktuelle Situation der Fonds verschärft, dürfte die Verantwortlichkeit dieses Umstands bestenfalls die halbe Wahrheit sein.


Sieht man sich die besondere Fondskonstruktion genauer an, überrascht die Negativ-Entwicklung der Fonds nicht,  Danach beteiligten sich die Anleger – durch pauschale Versprechungen stetig steigender Öl- und Gaspreises gelockt – an einer für sie nachteiligen  Beteiligungskonstruktion:
 

Zum einen leiden die Fonds unter einer enormen Kostenstruktur, welche den Netto-Investitionsstock erheblich reduziert. So erhält die Geschäftsführung rund 5 Mio. € Vergütung – pro Jahr! Nach unseren Erfahrungen muss davon ausgegangen werden, dass bereits durch die Kostenstruktur im Regelfall kaum ein brauchbarer Ertrag bei den Privatinvestoren ankommen kann.
 

Darüber wurde zum anderen die Fondskonstruktion so gewählt, daß die Anleger keine Möglichkeit haben, Einfluss auf den Fonds zu nehmen bzw. keine Kontrollfunktion ausüben können. Die Anleger sind also hilflos den Risiken der Beteiligung ausgesetzt.
 

Dementsprechend sind die Gesellschafterversammlungen das einzige Forum für Anleger. Gleichwohl wurden die Anleger trotz der zahlreichen drängenden Fragen bei der Aussprache weiterhin in vielen Dingen im Unklaren gelassen: Wo sind die von den Anlegern insgesamt investierten 300 Millionen Euro abgeblieben? Wieso wird man nicht rechtzeitig Informiert? Wie soll man zu etwas seine Zustimmung erteilen ohne die notwendigen Fakten? Nachvollziehbare und plausible Antworten von der Geschäftsführung gab es kaum.
 

Kein Sanierungskonzept

Gleichermaßen wurden von der Geschäftsführung kein tragfähiges Sanierungskonzept vorgelegt. Nach Vorstellung der ebenfalls anwesenden kanadischen Vertreter gehe man (optimistisch) von einem Anstieg des Öl- und Gaspreises auf 70 CAD aus. Die Frage, ob bzw. bis wann eine Entwicklung des Öl- und Gaspreises auf 70 CAD zu erwarten sein soll, blieb offen. Die Annahme, daß sich der Preisniveau so optimistisch entwickelt, ist jedoch reine Spekulation. Das vorgestellte Konzept basiert dementsprechend ausschließlich auf Mutmaßungen und Annahmen, eine nachvollziehbare und verlässliche Grundlage für ein Sanierungskonzept wurde dementsprechend nicht präsentiert.
 

Keine Mittelverwendungskontrolle

Auch der Vorschlag einer Mittelverwendungskontrolle im Hinblick auf die zurückgeforderten Ausschüttungen wurde unverzüglich abgelehnt. Warum sich die Fondsgeschäftsführung hiergegen stemmt, wurde offensichtlich, nachdem die Geschäftsführerin Frau Galba auf vehemente Nachfrage einräumen musste, dass von den zurückgeforderten Ausschüttungen zunächst eine Liquiditätsreserve für die Geschäftsführungsvergütung von rund 5 Millionen Euro einbehalten werden soll.
 

Im Verlauf der sich hieran entzündenden Diskussion über die Höhe der Geschäftsführungsvergütung erklärte Frau Galba, im Falle einer erfolgreichen Sanierung der COGI  Fondsgesellschaften auf 60% des Honorars zu verzichten. Gelingt die Sanierung der Fonds hingegen nicht, gehen also alle Anleger leer aus, kassiert die Geschäftsführung ihr volles Honorar. Dieses beläuft sich allein für die letzten 3 Jahre auf rund 6 Millionen Euro. Diesbezügliche Nachfragen wurden von Frau Galba konsequent nicht beantwortet.
 

Beschlussfassung

Am Ende der jeweiligen Versammlungen wurde über die folgenden zwei Beschlussanträge abgestimmt:

 
TOP 5: Beschlussfassung über die Darlehensgewährung an die COGI LP aus Mitteln der Rückzahlungen der Gesellschafter

 
TOP 6: Beschlussfassung über die weitere Darlehensaufnahme und weitere Darlehensgewährung an die COGI LP


Bei den Fonds „POC Eins“ und „POC Growth 2“ wurde TOP 5 mehrheitlich abgelehnt, die Fonds „POC Zwei“, „POC Growth“, „POC Growth 3“ und „POC Natural Gas“ stimmten im Hinblick auf TOP 5 mit JA. TOP 6 wurde nur beim Fonds „Natural Gas“ zugestimmt.

 
Nachdem die Abstimmungen der jeweiligen Fonds unterschiedlich ausgefallen sind, müssen sich Anleger nun gedulden und abwarten was in Kanada passiert. Denn auch auf Nachfrage, was bei Eintritt dieses Szenarios – der unterschiedlichen Abstimmung der Fonds - die Folge sei, konnte die Geschäftsführung keine Antwort geben.

Anleger, die angesichts dieser Entwicklung um ihr Geld fürchten, sollten Ihre rechtlichen Möglichkeiten im Zusammenhang mit Ihrer POC-Beteiligung prüfen lassen. In Betracht kommen Schadensersatzansatzsprüche wegen fehlerhafter Anlageberatung und Prospektfehlern. Denn die Anleger hätten über die Risiken ihrer Geldanlage auch umfassend aufgeklärt werden müssen.

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