LG Rottweil bestätigt Schadenersatzanspruch im Abgasskandal nach § 852 BGB

08.06.2021

Schadenersatzansprüche können im VW-Abgasskandal nach wie vor geltend gemacht werden. Geschädigte Autokäufer haben immer noch Anspruch auf den sog. Restschadenersatz. Das haben bereits eine Reihe von Gerichten entschieden. Auch das Landgericht Rottweil hat sich nun mit Urteil vom 10. Mai 2021 in die verbraucherfreundliche Rechtsprechung eingereiht (Az.: 2 O 525/20).

Inzwischen ist es fast sechs Jahre her, dass der VW-Abgasskandal im September 2015 aufgeflogen ist. Betroffen waren Dieselfahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat und Skoda mit dem Dieselmotor EA 189. Auch wenn inzwischen schon der Nachfolgemotor EA 288 wegen der Verwendung unzulässiger Abschalteinrichtungen in den Fokus gerückt ist, können immer noch Schadenersatzansprüche bei Fahrzeugen mit dem Motor EA 189 durchgesetzt werden.

In diesen Fällen ist zwar die übliche dreijährige Verjährungsfrist abgelaufen. Eine Hintertür bietet aber der § 852 BGB, nach dem immer noch ein Restschadenersatzanspruch geltend gemacht werden kann. „Verschiedene Gerichte, u.a. die Oberlandesgerichte Oldenburg, Koblenz und Stuttgart, haben bestätigt, dass diese Regelung auch im Abgasskandal angewendet werden kann“, erklärt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

§ 852 BGB regelt, dass derjenige, der durch unerlaubte Handlung auf Kosten eines anderen etwas erlangt hat, diesen Schaden ersetzen muss. „Der Vorteil: Dieser Anspruch verjährt erst zehn Jahre nach seiner Entstehung. Bezogen auf den Abgasskandal bedeutet das, dass die Verjährung erst zehn Jahre nach Kauf des Fahrzeugs eintritt“, so Rechtsanwalt Gisevius. Autokäufer, die zwar vom ursprünglichen Dieselskandal um den Motor EA 189 betroffen sind, bisher aber noch untätig geblieben sind, können daher nach wie vor Schadenersatzansprüche geltend machen.

Nach einer Reihe anderer Gerichte hat nun auch das LG Rottweil einem betroffenen Käufer Schadenersatz gemäß § 852 BGB für sein neun Jahre altes Fahrzeug mit dem Dieselmotor EA 189 zugesprochen.

„Die Urteile zeigen, dass VW sich nicht auf Verjährung zurückziehen kann und Schadenersatzansprüche immer noch durchsetzbar sind“, so Rechtsanwalt Gisevius.

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

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Aktuelles
29.11.2021

Das Landgericht Freiburg hat mit Urteil vom 29. Oktober 2021 entschieden, dass die Daimler AG im Abgasskandal Schadenersatz bei einem Mercedes GLS 350 d leisten muss (Az.: 2 O 338/20). Daimler habe in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet und sei wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung zu Schadenersatz verpflichtet.
26.11.2021

Audi hat im Abgasskandal vor dem Bundesgerichtshof eine Niederlage kassiert. Der BGH entschied mit Urteil vom 25. November 2021, dass sich nicht nur VW, sondern auch Audi aufgrund der Abgasmanipulationen beim Dieselmotor EA 189 schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: VII ZR 238/20, 243/20, 257/20 und 38/21).
25.11.2021

Das OLG Stuttgart hat mit Urteil vom 2. November 2021 entschieden, dass der Widerruf eines Darlehens zur Autofinanzierung auch Jahre nach Vertragsschluss noch wirksam erfolgt ist (Az.: 6 U 32/19).
24.11.2021

Im Abgasskandal um Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato hat das Landgericht Frankenthal Fiat Chrysler Automobiles, inzwischen zu Stellantis gehörend, mit Urteil vom 27. Oktober 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 5 O 40/21).
23.11.2021

Die Daimler AG muss im Abgasskandal Schadenersatz bei einem Mercedes GLC 220 d 4Matic leisten. Das Landgericht Stuttgart entschied mit Urteil vom 3. November 2021, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz kommt und die Daimler AG sich dadurch schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: 19 O 76/21).
22.11.2021

Das OLG München hat die Audi AG im Abgasskandal mit Urteil vom 14. Oktober 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 24 U 1307/21). Audi habe in einem SQ5 eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut und sich dadurch schadenersatzpflichtig gemacht.