Gewährleistungsansprüche im Wohnmobil-Abgasskandal

23.08.2021

Ob für den Sommerurlaub oder den Wochenendtrip – Wohnmobile erfreuen sich großer Beliebtheit. Umso heftiger ist es für Campingfreunde, dass der Abgasskandal auch Wohnmobile erfasst hat. Besonders betroffen sind Modelle auf Basis eines Fiat Ducato. Hier haben die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und auch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) bei Messungen festgestellt, dass die Grenzwerte für den Stickoxid-Ausstoß zum Teil deutlich überschritten werden.

Bessere Nachrichten gibt es für Wohnmobil-Besitzer, deren Fahrzeug bereits nach der Abgasnorm Euro 6d-Temp zugelassen ist. Nach aktuellen Abgasmessungen der DUH bei einem Fiat Ducato 140 Multijet mit dieser Schadstoffklasse wird der Grenzwert für den Stickoxid-Ausstoß eingehalten.

Für ältere Fahrzeuge, die noch nicht nach der Abgasnorm Euro 6d-Temp zugelassen wurden, gilt das jedoch nicht. Wie das KBA mitteilte, werden Schritte geprüft, um eine mögliche unzulässige Abschalteinrichtung bei diesen Modellen zu entfernen. „Auch wenn die deutsche Behörde für die Typengenehmigung beim Fiat Ducato nicht zuständig ist, kann sie einen verpflichtenden Rückruf für die betroffenen Fahrzeuge anordnen, damit eine mögliche unzulässige Abschalteinrichtung entfernt werden kann. Auch etlichen Wohnmobilen würde dann ein Rückruf drohen“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

Bislang liegt zwar noch kein Rückruf vor, betroffene Wohnmobil-Käufer können dennoch Schadenersatzansprüche gegen Fiat Chrysler Automobile (inzwischen Stellantis) geltend machen. Erste verbraucherfreundliche Urteile liegen bereits vor.

Eine Alternative dazu ist, Ansprüche aus Gewährleistung gegen die Händler geltend zu machen. Hier tickt allerdings die Uhr. Denn bei Neufahrzeugen beträgt die Gewährleistungsdauer zwei Jahre, bei gebrauchen Fahrzeugen nur ein Jahr. Innerhalb dieser Frist können Ansprüche aus Gewährleistung gegen den Händler geltend gemacht werden, denn dieser ist verpflichtet, das Fahrzeug ohne Mängel zu übergeben bzw. diese zu beseitigen. Dass eine unzulässige Abschalteinrichtung einen Sachmangel darstellt, hat der BGH bereits 2019 bestätigt. Die Gewährleistungsfrist beginnt mit dem Tag der Fahrzeugübergabe.

Gerade für Wohnmobilkäufer dürfte ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs im VW-Abgasskandal interessant sein. Der BGH hat mit Urteil vom 6. Juli 2021 entschieden, dass geschädigte Käufer auch Anspruch auf den sog. kleinen Schadenersatz haben (Az.: VI ZR 40/20).

Beim großen Schadenersatz wird das Fahrzeug gegen Erstattung des Kaufpreises abzüglich einer Nutzungsentschädigung zurückgegeben. Beim kleinen Schadenersatz kann der Käufer hingegen das Fahrzeug behalten. Da es durch die Verwendung einer unzulässigen Abschalteinrichtung aber weniger wert war als ein Käufer dafür bezahlt hat, kann beim kleinen Schadenersatz der Ersatz dieses Minderwerts verlangt werden. „Auch wenn es bei der Entscheidung um einen VW Passat ging, lässt sich die BGH-Entscheidung auch auf andere Fahrzeuge und Hersteller übertragen“, so Rechtsanwalt Gisevius.

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

Mehr Informationen: https://bruellmann.de/wohnmobile-abgasskandal

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Aktuelles
26.11.2021

Audi hat im Abgasskandal vor dem Bundesgerichtshof eine Niederlage kassiert. Der BGH entschied mit Urteil vom 25. November 2021, dass sich nicht nur VW, sondern auch Audi aufgrund der Abgasmanipulationen beim Dieselmotor EA 189 schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: VII ZR 238/20, 243/20, 257/20 und 38/21).
25.11.2021

Das OLG Stuttgart hat mit Urteil vom 2. November 2021 entschieden, dass der Widerruf eines Darlehens zur Autofinanzierung auch Jahre nach Vertragsschluss noch wirksam erfolgt ist (Az.: 6 U 32/19).
24.11.2021

Im Abgasskandal um Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato hat das Landgericht Frankenthal Fiat Chrysler Automobiles, inzwischen zu Stellantis gehörend, mit Urteil vom 27. Oktober 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 5 O 40/21).
23.11.2021

Die Daimler AG muss im Abgasskandal Schadenersatz bei einem Mercedes GLC 220 d 4Matic leisten. Das Landgericht Stuttgart entschied mit Urteil vom 3. November 2021, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz kommt und die Daimler AG sich dadurch schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: 19 O 76/21).
22.11.2021

Das OLG München hat die Audi AG im Abgasskandal mit Urteil vom 14. Oktober 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 24 U 1307/21). Audi habe in einem SQ5 eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut und sich dadurch schadenersatzpflichtig gemacht.
19.11.2021

Daimler muss im Abgasskandal gleich für drei Mercedes Sprinter Schadenersatz leisten. Das hat das Landgericht Freiburg mit Urteil vom 18. Oktober 2021 entschieden (Az.: 6 O 149/19). Zwei der Mercedes Sprinter waren mit dem Dieselmotor des Typs OM 651 und der Abgasnorm Euro 5 ausgerüstet, in dem dritten ist auch der Motor OM 651 verbaut, allerdings mit der Abgasnorm Euro 6.