Benziner im Abgasskandal - Audi, Porsche und der VW T5

12.11.2020

Lange Zeit ging der Abgasskandal in erster Linie die Halter von Dieselfahrzeugen etwas an. Das ist vorbei. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass sich bei den VW-Töchtern Audi und Porsche der Verdacht erhärtet, dass auch Benziner nicht sauber unterwegs sind und Abgaswerte manipuliert wurden. Ein Verdacht, den es beim VW Bulli T5 schon seit Herbst 2018 gibt.

Verdacht einer Prüfstanderkennung bei Audi

Ein Sachverständigengutachten, das das Landgericht Offenburg in einem Verfahren zu möglichen Abgasmanipulationen bei einem Audi-Benziner erstellen ließ, bringt den Autohersteller gewaltig unter Druck. Konkret geht es dabei um die Abgasreinigung bei einem Audi Q5 TFSI 2.0 mit der Abgasnorm Euro 6. Das Gutachten legt nah, dass es bei dem Modell eine Steuerungs-Software gibt, die anhand des Lenkradeinschlags erkennt, ob sich das Fahrzeug im Prüfmodus befindet. Dann wird bei der Abgasreinigung in den Prüfmodus geschaltet und die Emissionswerte reduziert.

Untermauert wird der Verdacht durch Recherchen des SWR. Dem Sender liegen interne VW-Dokumente vor, in denen bei Benzinern mit dem Automatikgetriebe AL 551 von einer „zyklusnahen Bedatung“ die Rede ist. Dabei sei dem KBA die konkrete Lenkwinkelerkennung nicht bekannt, heißt es in dem Papier. „Das deutet alles auf eine klassische Prüfstandserkennung hin, wie sie aus dem Dieselskandal bekannt ist. Derartige Abschalteinrichtungen sind illegal“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

Der in dem Audi Q5 verbaute TFSI-Motor mit 2 Liter Hubraum wird nicht nur bei Audi, sondern auch bei zahlreichen Modellen der Marken VW, Seat und Skoda verwendet.

Manipuliertes Getriebe bei Porsche

Bei Porsche geht es zwar um einen anderen Motor. Doch auch hier gibt es den Verdacht illegaler Abschalteinrichtungen bei Benzinern, den Porsche selbst gemeldet hat. Betroffen könnten Fahrzeuge der Baujahre 2008 bis 2016 sein. Wie Porsche-Mitarbeiter bestätigt haben, wurden bei Prüffahrzeugen größere Zahnräder im Getriebe verwendet als später in der Serienproduktion. Die Fahrzeuge verlieren dadurch zwar an Spritzigkeit, dafür wird aber der Benzinverbrauch und damit der CO2-Ausstoß gesenkt. In der Serienproduktion wurden dann kleine Zahnräder eingesetzt, damit die Fahrzeuge ihre gewohnte Leistungsstärke entfalten konnten. Legal ist so etwas natürlich nicht. Auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt inzwischen. Es bestehe der Verdacht, dass die Käufer der Porsche-Fahrzeuge über den tatsächlichen Benzin-Verbrauch getäuscht wurden.

Abschalteinrichtung beim VW T5

Der Verdacht, dass es auch beim VW Bulli T5 mit Benzinmotor eine Abschalteinrichtung gibt, besteht schon seit Herbst 2018. Nach Medienberichten erkennt das Fahrzeug den Prüfmodus, wenn der Testfahrer eine bestimmte Kombination von Warnblinklicht und Durchtreten des Gaspedals ausführt.

„Der Abgasskandal geht auch an Benzinern nicht spurlos vorbei. Ähnlich wie im Dieselskandal können die betroffenen Fahrzeugkäufer auch hier Schadenersatzansprüche geltend machen“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

 

 

 

 

 

 

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Aktuelles
01.12.2021

Im Abgasskandal muss die Audi AG als Herstellerin des Motors Schadenersatz bei einem Porsche Macan S Diesel leisten. Das hat das Landgericht Memmingen mit Urteil vom 8. Oktober 2021 entschieden.
30.11.2021

Im Abgasskandal muss ein Händler einem Kunden ein neues Wohnmobil ohne Mängel liefern. Das hat das Landgericht Hildesheim mit Teil-Versäumnisurteil vom 18. Oktober 2021 entschieden (Az.: 4 O 212/21).
29.11.2021

Das Landgericht Freiburg hat mit Urteil vom 29. Oktober 2021 entschieden, dass die Daimler AG im Abgasskandal Schadenersatz bei einem Mercedes GLS 350 d leisten muss (Az.: 2 O 338/20). Daimler habe in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet und sei wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung zu Schadenersatz verpflichtet.
26.11.2021

Audi hat im Abgasskandal vor dem Bundesgerichtshof eine Niederlage kassiert. Der BGH entschied mit Urteil vom 25. November 2021, dass sich nicht nur VW, sondern auch Audi aufgrund der Abgasmanipulationen beim Dieselmotor EA 189 schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: VII ZR 238/20, 243/20, 257/20 und 38/21).
25.11.2021

Das OLG Stuttgart hat mit Urteil vom 2. November 2021 entschieden, dass der Widerruf eines Darlehens zur Autofinanzierung auch Jahre nach Vertragsschluss noch wirksam erfolgt ist (Az.: 6 U 32/19).
24.11.2021

Im Abgasskandal um Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato hat das Landgericht Frankenthal Fiat Chrysler Automobiles, inzwischen zu Stellantis gehörend, mit Urteil vom 27. Oktober 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 5 O 40/21).