bc connect GmbH insolvent – Nachrangdarlehen im Feuer

10.11.2021

Die schlechten Nachrichten für Anleger, die der bc connect GmbH Nachrangdarlehen gewährt haben, reißen nicht ab: Am 20. Oktober 2021 hat zunächst das Amtsgericht Chemnitz das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet (Az.: 314 IN 1922/21), zwei Tage später veröffentlichte die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin, dass das Unternehmen nicht über die notwendige Erlaubnis zum Betreiben von Bankgeschäften oder Erbringen von Finanzdienstleistungen verfügt. Die BaFin hat daher Ermittlungen aufgenommen.

Zum Geschäftsfeld der bc connect GmbH gehörte der Mobilfunkmarkt. Nach eigener Darstellung auf der Firmen-Webseite erwirbt das Unternehmen zu günstigen Konditionen große Mengen an Mobilfunkverträgen und verkauft sie dann in kleineren Paketen weiter. Anleger sollte durch die Gewährung von Nachrangdarlehen zur Vorfinanzierung an dem Geschäft partizipieren.

Aus der erhofften Rendite wird für die Anleger nichts. Vielmehr müssen sie nach der Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens mit erheblichen finanziellen Verlusten rechnen. Aufgabe des vorläufigen Insolvenzverwalters ist es, die künftige Insolvenzmasse für die Gläubiger zu sichern. Wird das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet, können die Gläubiger, zu denen auch die Anleger zählen, ihre Forderungen zur Insolvenztabelle anmelden.

Für die Anleger stellt sich allerdings das Problem, dass Nachrangdarlehen im Insolvenzverfahren nachrangig behandelt werden. Die Anleger müssen sich mit ihren Forderungen hinter allen anderen Gläubigern anstellen. Dadurch besteht die Gefahr, dass sie komplett leer ausgehen. „Im Insolvenzfall zeigt sich besonders deutlich, dass Nachrangdarlehen hochriskante Geldanlagen mit einem Totalverlustrisiko für die Anleger sind. Allerdings ist die Nachrangklausel oftmals nicht wirksam vereinbart worden. Das gilt es zu prüfen. Ist die Nachrangklausel unwirksam, werden auch die Forderungen der Anleger gleichrangig mit den Ansprüchen anderer Gläubiger behandelt“, sagt Rechtsanwalt Hansjörg Looser, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

Darüber hinaus kann geprüft werden, ob Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden können. Forderungen können z.B. gegen die Anlagevermittler bzw. Anlageberater bestehen. Diese hätten die Anleger über die bestehenden Risiken der Geldanlage und insbesondere über das Totalverlustrisiko aufklären müssen. Haben sie gegen ihre Informationspflichten verstoßen, können sie schadenersatzpflichtig sein. Ebenso können Schadenersatzansprüche gegen die Verantwortlichen der bc connect bestehen. „Nach der Mitteilung der BaFin liegt nahe, dass sie gegen das Kreditwesengesetz verstoßen haben und deshalb Schadenersatz leisten müssen“, so Rechtsanwalt Looser.

Nach Medienberichten hat die Staatsanwaltschaft offenbar Vermögen der bc connect in Höhe von mehreren Millionen Euro sichergestellt. Auch hier können Entschädigungsansprüche geltend gemacht werden.

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Aktuelles
07.12.2021

Im Abgasskandal können sich Aktionäre und Anleger der Daimler AG an dem Musterverfahren nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) beteiligen, um ihre Schadenersatzansprüche gegen Daimler zu verfolgen. Das OLG Stuttgart hat mit Beschluss vom 1. Dezember 2021 einen privaten Anleger als Musterkläger bestimmt (Az.: 20 Kap 1/21).
30.11.2021

Eine Anlegerin des Fonds Opalenburg Safeinvest 2 erhält Schadenersatz. Das hat das Landgericht Berlin mit Urteil vom 16. November 2021 entschieden (Az.: 11 O 96/21).
26.11.2021

Dass Gold eine sichere Geldanlage ist, hat sich für die Anleger der Bonus.Gold GmbH nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil: Sie müssen spätestens seit Herbst 2020 den Verlust ihres Geldes befürchten. Zunächst war die Firma nicht zu erreichen, dann verkauft und vor allem sind große Mengen des Goldes nicht auffindbar.
25.11.2021

Das OLG Stuttgart hat mit Urteil vom 2. November 2021 entschieden, dass der Widerruf eines Darlehens zur Autofinanzierung auch Jahre nach Vertragsschluss noch wirksam erfolgt ist (Az.: 6 U 32/19).
23.11.2021

P&R Container: Anleger können Schadenersatzansprüche noch bis Ende 2021 geltend machen. Danach droht die Verjährung ihrer Ansprüche.
18.11.2021

Geldanlagen erfüllen längst nicht immer, was sich der Anleger von der Investition versprochen hat. Verlorenes Geld muss jedoch nicht endgültig abgeschrieben werden. Häufig haben Anleger die Möglichkeit Schadenersatzansprüche geltend zu machen. Dabei ist jedoch der 31. Dezember ein wichtiges Datum. Denn zum Jahresende droht regelmäßig die Verjährung von Schadenersatzansprüchen.