Abgasskandal - Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen Porsche Benzinern

07.10.2020

Der Abgasskandal könnte sich bei Porsche auch auf Benziner ausweiten. Der Manipulationsverdacht hat sich inzwischen erhärtet und die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Ermittlungen aufgenommen. Es geht um den Verdacht, dass die Käufer über den tatsächlichen Spritverbrauch getäuscht wurden.

Höhere Verbrauchswerte führen auch zu einem höheren CO2-Ausstoß. Das hat wiederum Auswirkungen auf die Höhe der Kfz-Steuer, die sich am CO2-Ausstoß orientiert. Das bedeutet, dass es mittelbar auch zu Steuerhinterziehung gekommen sein kann. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) bestätigte, bestehe der Verdacht, dass die von Manipulationen betroffenen Porsche-Fahrzeuge über keine wirksame Typ-Genehmigung verfügen. „Mit anderen Worten müssen die betroffenen Fahrzeug-Halter damit rechnen, dass ihnen die Zulassung entzogen wird“, sagt Rechtsanwalt Marcel Seifert, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

In den Fokus der Ermittler sind dabei Porsche-Benziner der Baujahre 2007 bis 2017 geraten. Die aktuelle Produktion ist von der möglichen Manipulation nicht betroffen, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) bestätigt. Zuvor hatte die Behörde die Erteilung der Typengenehmigung vorübergehend ausgesetzt, nachdem sie von Porsche über den Verdacht informiert worden war.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft richten sich gegen vier Porsche-Mitarbeiter. Vorstandsmitglieder sollen nicht darunter sein.

Erst kürzlich war bekannt geworden, dass sich der Verdacht der Abgasmanipulationen auch bei den internen Untersuchungen von Porsche weiter erhärtet hat. Mitarbeiter sollen bestätigt haben, dass bei den Prüffahrzeugen größere Zahnräder im Getriebe verwendet wurden als in der Serienproduktion. Das hat den Effekt, dass die Fahrzeuge an Spritzigkeit verlieren, dafür aber der Spritverbrauch und damit auch der CO2-Ausstoß sinkt. Das gilt aber nur für die Prüffahrzeuge. In der Serienproduktion hatten die Sportwagen dann die volle „Power“ und mit einem entsprechend höheren Verbrauch.

„Es ist zu vermuten, dass die Grenzwerte für den Kohlendioxid-Ausstoß ohne diese Manipulationen nicht eingehalten werden konnten. Das ist natürlich illegal und betroffene Porsche-Käufer können Schadenersatzansprüche geltend machen“, so Rechtsanwalt Seifert.

Porsche spricht davon, dass es in Einzelfällen zu Manipulationen gekommen sein könnte. Wie groß das Ausmaß tatsächlich ist, ist derzeit noch ungewiss. Porsche hatte den Verdacht der Abgasmanipulationen bei Benzinern bereits im Juni dem Kraftfahrt-Bundesamt, den US-amerikanischen Umweltbehörden und der Staatsanwaltschaft Stuttgart mitgeteilt.

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