Abgasskandal - Schadenersatz für Audi A4 trotz späten Kaufs

17.11.2020

Schadenersatzansprüche im Abgasskandal können auch noch geltend gemacht werden, wenn das Fahrzeug erst nach Bekanntwerden der Abgasmanipulationen im September 2015 gekauft wurde. Das zeigt ein Urteil des Landgerichts Ingolstadt vom 12. November 2020 (Az.: 81 O 571/19). Das Gericht sprach dem Käufer eines Audi A4 mit dem Motor EA 189 Schadenersatz zu, obwohl er das Auto erst im Januar 2016, also deutlich nach der Ad-hoc-Meldung von VW zu den Abgasmanipulationen gekauft hatte.

Das Urteil des LG Ingolstadt mag auf den ersten Blick überraschen. Denn der BGH hatte im Juli entschieden, dass bei Autokäufen nach Bekanntwerden des Abgasskandals kein Schadenersatzanspruch bestehe. Dies begründete der BGH damit, dass VW das Verhalten ab diesem Zeitpunkt geändert habe. Durch die Ad-hoc-Meldung vom 22. September 2015 und die weitere mediale Berichterstattung seien die Abgasmanipulationen bei VW-Dieselmotoren bekannt gewesen. Käufer von gebrauchten VW-Fahrzeugen hätten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr voraussetzen können, dass VW-Dieselfahrzeuge den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Sittenwidrigkeit könne VW ab diesem Zeitpunkt nicht mehr vorgeworfen werden, so der BGH. In dem Fall ging es um einen gebrauchten VW Touran.

„Das BGH-Urteil betrifft VW-Fahrzeuge und muss nicht auch für Fahrzeuge der Tochtergesellschaften Audi, Seat und Skoda, in denen ebenfalls der Betrugsmotor EA 189 verbaut ist, gelten. Das Landgericht Ingolstadt entschied nun, dass Audi durch die VW-Mitteilung nicht vom Vorwurf der Sittenwidrigkeit freizusprechen ist“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

Der Kläger in dem Fall hatte einen Audi A4 2.0 TDI mit dem Motor EA 189 erst im Januar 2016 als Gebrauchtwagen gekauft. Er habe dennoch Anspruch auf Schadenersatz, urteilte das LG Ingolstadt. Die Audi AG müsse das Fahrzeug zurücknehmen und den Kaufpreis abzüglich einer Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer erstatten.

Gegenüber der Audi AG sei der Vorwurf der Sittenwidrigkeit auch bei einem „späten Autokauf“ noch berechtigt. Dieser Vorwurf sei durch die Maßnahmen der Volkswagen AG nicht entfallen. In der medialen Berichterstattung sei der Dieselskandal in erster Linie mit VW und nicht mit den Konzerntöchtern wie Audi in Verbindung gebracht worden.

In einem ähnlichen Fall hatte das Landgericht Mönchengladbach dem Käufer eines Seat mit dem Motor EA 189 Schadenersatz mit Urteil vom 14. August 2020 Schadenersatz zugesprochen (Az.: 11 O 432/19). Hier hatte der Kläger den Seat im Oktober 2015, wenige Wochen nach Bekanntwerden des Abgasskandals gekauft. Der Kläger habe nicht wissen müssen, dass in dem Seat auch der VW-Motor mit den Abgasmanipulationen steckt, entschied das Gericht.

Auch bei VW-Fahrzeugen können noch Schadenersatzansprüche bestehen. Das zeigt ein Urteil des LG Krefeld vom 19. August 2020 (Az.: 2 O 541/19). Hier hatte der Kläger einen VW Tiguan mit dem Motor EA 189 erst im August 2016 gekauft. Allerdings als Neuwagen und direkt bei VW. Der Kläger habe Anspruch auf Schadenersatz, entschied das Gericht. Denn fast ein Jahr nach dem Bekanntwerden des Abgasskandals könne dem Käufer wieder eine entsprechende Arglosigkeit unterstellt werden. Zudem habe VW hier die Gelegenheit gehabt, über die Betroffenheit des Fahrzeugs aufzuklären. Insofern könne hier immer noch Sittenwidrigkeit angenommen werden.

„Die Urteile zeigen, dass auch bei einem Autokauf nach September 2015 noch Schadenersatzansprüche durchgesetzt werden können. Besonders die Käufer eines Audi, Seat oder Skoda mussten nicht wissen, dass in ihrem Fahrzeug der VW-Motor mit der unzulässigen Abschalteinrichtung verbaut ist“, so Rechtsanwalt Gisevius.

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

 

 

Ansprechpartner

Sekretariat: Frau Kalaitsidou
Tel:  0711 / 520 888 - 29
Fax: 0711 / 520 888 - 23  
E-Mail: f.gisevius@bruellmann.de

Kontaktieren Sie uns

Ich stimme zu, dass meine Angaben aus dem Kontaktformular zur Beantwortung meiner Anfrage erhoben und verarbeitet werden. Die Daten werden nach abgeschlossener Bearbeitung Ihrer Anfrage gelöscht. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an datenschutz@bruellmann.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. *
Aktuelles
08.12.2021

Die Audi AG ist im Abgasskandal zu Schadenersatz bei einem Audi A5 3.0 TDI verurteilt worden. Das Landgericht Ulm entschied mit Urteil vom 12. November 2021, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz kommt und Audi daher Schadenersatz wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung gemäß § 826 BGB leisten muss.
07.12.2021

Das OLG Naumburg hat VW im Abgasskandal ein weiteres Mal bei einem Fahrzeug mit dem Dieselmotor EA 288, einem VW Beetle 2.0 TDI, mit Urteil vom 12. November 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 8 U 46/21). Die Revision zum BGH hat das OLG Naumburg nicht zugelassen.
06.12.2021

Fiat Chrysler Automobiles bzw. Stellantis ist im Abgasskandal um Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato ein weiteres Mal zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Baden-Baden hat mit Versäumnisurteil vom 8. November 2021 entschieden, dass der Kläger Anspruch auf Schadenersatz hat (Az.: 2 O 107/21).
03.12.2021

Im Mercedes-Abgasskandal bestehen gute Chancen, Schadenersatz durchzusetzen. Wer im Laufe des Jahres 2018 den Rückruf erhalten hat, sollte aber jetzt handeln. Ende 2021 droht die Verjährung der Schadenersatzansprüche.
02.12.2021

Unter dem Rückruf-Code 37L8 gibt es einen weiteren Rückruf für Modelle des VW T5 und T6 mit der Abgasnorm Euro 5. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt am 11. November 2021 veröffentlichte, müssen Fahrzeuge des VW T5 und T6 der Baujahre 2010 bis 2012 in die Werkstatt beordert werden.
01.12.2021

Im Abgasskandal muss die Audi AG als Herstellerin des Motors Schadenersatz bei einem Porsche Macan S Diesel leisten. Das hat das Landgericht Memmingen mit Urteil vom 8. Oktober 2021 entschieden.