Abgasskandal: LG Stade spricht Schadenersatz bei Wohnmobil zu

11.10.2021

Das Landgericht Stade hat Fiat-Chrysler, inzwischen Stellantis, im Wohnmobil-Abgasskandal ein weiteres Mal zu Schadenersatz verurteilt. Mit Versäumnisurteil vom 20. September 2021 entschied es, dass der Autobauer Schadenersatz bei einem Wohnmobil auf Basis eines Fiat Ducato leisten muss (Az.: 2 O 121/21).

Vor dem LG Stade ging es um ein Wohnmobil Adria Matrix 670 SL, das der Kläger 2014 gekauft hatte. Die Basis für das Wohnmobil bildet ein Fiat Ducato mit 2,3-Liter-Motor und der Abgasnorm Euro 5. Der Kläger machte Schadenersatzansprüche geltend, weil in dem Motor eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet werde. Diese sorge dafür, dass die Abgasnachbehandlung ca. 22 Minuten nach Start des Motors deaktiviert wird. Folge ist, dass der Stickoxid-Ausstoß steigt und der zulässige Grenzwert überschritten wird. In dem rund 20-minütigen Prüfmodus werden die Grenzwerte für den Emissionsausstoß hingegen eingehalten, weil die Abgasnachbehandlung während dieses Zeitraums aktiv ist.

Fiat bzw. Stellantis äußerte sich nicht zu den Vorwürfen, so dass das LG Stade den Ausführungen des Klägers folgte und ihm mit Versäumnisurteil Schadenersatz zusprach. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Stellantis kann noch Einspruch einlegen.

Der Verdacht unzulässiger Abschalteinrichtungen bei Fiat ist nicht neu und wird gerade beim Fiat Ducato durch Abgasmessungen der Deutschen Umwelthilfe und auch des Kraftfahrt-Bundesamts bestätigt. Demnach werden die zulässigen Grenzwerte für den Stickoxid-Ausstoß zum Teil sehr deutlich überschritten. Da viele Wohnmobile auf einem Fiat Ducato basieren, ist der Abgasskandal auch bei den Campern angekommen.

Auch wenn es bislang keinen verpflichtenden Rückruf des KBA gibt, können betroffene Wohnmobil-Käufer Schadenersatzansprüche geltend machen. „Die Ansprüche können sich gegen den Fahrzeughersteller und innerhalb der Gewährleistungsfrist auch gegen den Händler richten“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte. Die Gewährleistungsfrist beträgt bei Neufahrzeugen zwei Jahre, bei gebrauchen Fahrzeugen nur ein Jahr.

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

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Aktuelles
19.10.2021

Bundesweit müssen knapp 89.000 Mercedes Vito und Viano nach einem Rückruf des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) in die Werkstatt. Das KBA hat bei Fahrzeugen der Baujahre 2010 bis 2014 eine unzulässige Abschalteinrichtung bzw. unzulässige Reduzierung der Wirksamkeit des Emissionskontrollsystems festgestellt, die entfernt werden muss.
18.10.2021

Im Abgasskandal muss die Daimler AG Schadenersatz bei einem Mercedes Viano 2.2 CDI leisten. Das hat das Landgericht Traunstein mit Urteil vom 1. September 2021 entschieden (Az.: 9 O 1474/20).
15.10.2021

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnete den Rückruf für den Porsche Cayenne 3,0 mit V6 TDI-Motor und der Abgasnorm Euro 6 im Januar 2018 an. Ende 2021 droht die Verjährung der Schadenersatzansprüche.
14.10.2021

Das Landgericht Stuttgart hat die Daimler AG im Abgasskandal ein weiteres Mal zu verurteilt. Mit Urteil vom 10. September 2021 entschied es, dass der Käufer eines Mercedes C 220 CDI durch die Verwendung einer unzulässigen Abschalteinrichtung vorsätzlich sittenwidrig geschädigt wurde und daher Anspruch auf Schadenersatz hat (Az.: 14 O 124/21).
13.10.2021

Im VW-Abgasskandal können auch bei Fahrzeugen mit dem Dieselmotor EA 189 noch Schadenersatzansprüche durchgesetzt werden. Wie schon eine Reihe von Gerichten zuvor, hat auch das Landgericht Essen mit Urteil vom 27. September 2021 bestätigt, dass im Dieselskandal Anspruch auf den sog. Restschadenersatz gemäß § 852 BGB besteht (Az.: 1 O 291/20).
12.10.2021

Das Oberlandesgericht Frankfurt hat sich mit Urteil vom 15. September 2021 im Mercedes-Abgasskandal verbraucherfreundlich positioniert (Az.: 3 U 36/21). Das OLG hob ein klageabweisendes Urteil des Landgerichts Frankfurt (Az.: 2-08 244/20) auf und verwies das Verfahren zur erneuten Entscheidung an das LG zurück.