Abgasskandal: LG Görlitz spricht Schadenersatz bei Wohnmobil zu

25.05.2021

Der Kläger hatte im Mai 2020 ein Wohnmobil des Typs Challenger 398 XLB Special Edition gekauft. Basis des Wohnmobils ist ein Fiat Ducato mit dem 2,3 Liter Multijet Dieselmotor mit der Abgasnorm Euro 6.

Die Freude an dem neuen Wohnmobil währte jedoch nicht lange. Der Käufer machte Schadenersatzansprüche wegen der Verwendung einer unzulässigen Abschalteinrichtung geltend. Er argumentierte, dass die notwendige Abgasnachbehandlung ca. 22 Minuten nach dem Motorstart deaktiviert werde. Damit sei sie gerade lange genug für den etwa 20-minütigen Testlauf bei einer Abgasprüfung aktiv. Dies führe dazu, dass die Grenzwerte für den Stickoxid-Ausstoß im Prüfmodus zwar eingehalten, im realen Straßenverkehr nach der Deaktivierung der Abgasnachbehandlung aber überschritten werden.

Da er das Fahrzeug bei Kenntnis der Abgasmanipulationen nicht gekauft hätte, machte er Schadenersatzansprüche geltend.

Fiat äußerte sich zu den Vorwürfen nicht. Das LG Görlitz folgte daher den Ausführungen des Klägers und sprach ihm Schadenersatz zu. Der Motor sei mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung ausgerüstet und der Kläger dadurch gemäß § 826 BGB vorsätzlich sittenwidrig geschädigt worden. Der Kaufvertrag sei daher rückabzuwickeln. Gegen Rückgabe des Fahrzeugs könne er die Erstattung des Kaufpreises abzüglich einer Nutzungsentschädigung verlangen.

Spätestens im Sommer 2020, als die Staatsanwaltschaft Frankfurt Büroräume von FCA in Deutschland, der Schweiz und Italien durchsuchen ließ, haben sich die Hinweise auf die Verwendung einer unzulässigen Abschalteinrichtungen bei Dieselfahrzeugen der Marken Fiat, Alfa Romeo, Jeep und Iveco verdichtet. „Der Abgasskandal hat damit auch zahlreiche Wohnmobile erreicht, die auf einem Fiat Ducato oder Iveco Daily basieren. Auch bei diesen Wohnmobilen bestehen gute Chancen, Schadenersatz durchzusetzen“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius.

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Aktuelles
26.11.2021

Audi hat im Abgasskandal vor dem Bundesgerichtshof eine Niederlage kassiert. Der BGH entschied mit Urteil vom 25. November 2021, dass sich nicht nur VW, sondern auch Audi aufgrund der Abgasmanipulationen beim Dieselmotor EA 189 schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: VII ZR 238/20, 243/20, 257/20 und 38/21).
25.11.2021

Das OLG Stuttgart hat mit Urteil vom 2. November 2021 entschieden, dass der Widerruf eines Darlehens zur Autofinanzierung auch Jahre nach Vertragsschluss noch wirksam erfolgt ist (Az.: 6 U 32/19).
24.11.2021

Im Abgasskandal um Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato hat das Landgericht Frankenthal Fiat Chrysler Automobiles, inzwischen zu Stellantis gehörend, mit Urteil vom 27. Oktober 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 5 O 40/21).
23.11.2021

Die Daimler AG muss im Abgasskandal Schadenersatz bei einem Mercedes GLC 220 d 4Matic leisten. Das Landgericht Stuttgart entschied mit Urteil vom 3. November 2021, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz kommt und die Daimler AG sich dadurch schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: 19 O 76/21).
22.11.2021

Das OLG München hat die Audi AG im Abgasskandal mit Urteil vom 14. Oktober 2021 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 24 U 1307/21). Audi habe in einem SQ5 eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut und sich dadurch schadenersatzpflichtig gemacht.
19.11.2021

Daimler muss im Abgasskandal gleich für drei Mercedes Sprinter Schadenersatz leisten. Das hat das Landgericht Freiburg mit Urteil vom 18. Oktober 2021 entschieden (Az.: 6 O 149/19). Zwei der Mercedes Sprinter waren mit dem Dieselmotor des Typs OM 651 und der Abgasnorm Euro 5 ausgerüstet, in dem dritten ist auch der Motor OM 651 verbaut, allerdings mit der Abgasnorm Euro 6.